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Patrick Daßler - Fashion Fotograf, tätig von Nürnberg bis München

Lektion 1 - Die drei Belichtungsparameter

Verschlusszeit, Blende, ISO

Die komplette Belichtungssteuerung unserer Kameras basiert auf nur 3 Stellgrößen. Das war auch zu Zeiten der Filmfotografie schon so. Hier wurde mit der Digitalfotografie das Rad nicht neu erfunden. Außerdem ist dieses Konzept auch nicht herstellerspezifisch, völlig egal ob man eine Canon, Nikon oder Fujifilm Kamera benutzt, diese 3 Stellgrößen sind immer die Selben. Was sich teils unterscheidet, ist das Bedienkonzept, sprich: "Wie verstelle ich diese Größen?".

Die Rede ist von: Verschlusszeit, Blende und ISO.

Wie die Werte zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen, kann man sich am besten merken, wenn man verstanden hat, was der technische Hintergrund der einzelnen Werte ist. Hierzu zeigt das folgende Bild schematisch, welche Bauteile in einer Kamera für welchen der drei Parameter verantwortlich sind.

Das Strichmännchen ist unser "Model". Die Kamera habe ich in Objektiv und Gehäuse unterteilt, dabei spielt es keine Rolle, ob das Objektiv fest verbaut, oder wechselbar ist. Wir beginnen am Ende, wo auch sonst...

Sensor/Film

Am Schluss unserer Aufnahmekette steht ein Sensor. Vor einigen Jahren befand sich hier noch ein Film, der erschreckend oft gewechselt werden musste. Früher war doch nicht alles besser.

Genau dieser Sensor muss belichtet werden. Es handelt sich um ein Rechteck aus "Lichtsensoren", entsprechend der jeweiligen Kamera, um unterschiedlich viele. Im Falle einer 24 Megapixel Kamera, ein gängiges Maß heutzutage, wären hier 24 Millionen (!) kleine Sensoren zusammengepfercht.

Für diese Fläche aus Sensoren kann eine Empfindlichkeit eingestellt werden. Und genau das ist der ISO-Wert. Der ISO-Wert gibt an, wie viel Licht auf ein Sensorelement fallen muss, um eine bestimmte Helligkeit auf dem Bild zu erreichen.

In der Praxis heißt das: Stellt man einen kleinen ISO-Wert ein, so muss man durch die anderen beiden Belichtungsparameter (Blende und Verschlusszeit) sicherstellen, dass genug Licht auf den Sensor fällt.

Dass der ISO-Wert eine verstellbare Belichtungsgröße ist, ist tatsächlich eine Neuerung der Digitalfotografie. Zu Film-Zeiten war der ISO-Wert ein Parameter des Filmes, war eine höhere Empfindlichkeit nötig, so musste der Film gewechselt werden. Schöne neue Welt.

ISO Werte beginnen je nach Kamera Modell bei 100 oder 200. Nach oben unterstützen moderne Kameras 6400 und auch teils noch deutlich mehr. Eine Verdopplung der Zahl ist gleichbedeutend mit einer Verdopplung der Lichtempfindlichkeit.

Verschluss

Der Sensor wird eine bestimmte Zeit belichtet. Diese Zeit gibt vor, wie viel Licht der Sensor "einsammeln" kann. Je länger die Belichtungszeit gewählt ist, desto mehr Licht trifft auf den Sensor. Man erkennt eine erste Wechselwirkung zwischen Belichtungszeit und Empfindlichkeit (ISO). Belichtet man den Sensor länger, so kann der ISO-Wert kleiner gewählt werden.

Zur Steuerung der Belichtungszeit ist in der Kamera vor dem Sensor ein Verschluss verbaut. Dieser Verschluss gibt den Sensor für die voreingestellte Zeit frei und verschließt ihn im Anschluss wieder. Man spricht daher auch von der Verschlusszeit.

Einen Verschluss (genauer die gängigste Bauform, den Schlitzverschluss) kann man sich als zwei Vorhänge vorstellen. Zu Beginn der Belichtung gibt der erste Vorhang den Sensor frei. Mit Ablauf der Belichtungszeit verdeckt der zweite Vorhang den Sensor wieder. Die Bewegungsrichtung beider Vorhänge ist dabei die Selbe, um eine einheitliche Belichtungszeit für alle Teile des Sensors zu erreichen. Die folgende Abbildung verdeutlicht das Beschriebene:

Belichtungszeiten beginnen üblicherweise bei 1/8000s oder 1/4000s. Nach oben ist eigentlich keine Grenze gesetzt, mittels einer sogenannten Bulb-Einstellungen unterstützen die meisten Kameras, den Verschluss so lange wie gewünscht offen zu lassen.

Blende

Zwischen den verschiedenen Linsen ist im Objektiv einer Kamera eine verstellbare Irisblende verbaut. Diese Blende besteht üblicherweise aus 7-9 Lamellen, die es ermöglichen, die Fläche der Öffnung in der Mitte zu verstellen. Je größer die Öffnung eingestellt ist, desto mehr Licht kann die Blende passieren und den Sensor erreichen.

Wechselwirkungen sind auch hier offensichtlich, ausschlaggebend ist immer die "Menge Licht". Je weiter die Blende geöffnet wird, desto geringer kann der ISO Wert und desto kürzer kann die Belichtungszeit gewählt werden. Ist eine weiter geschlossene Blende nötig, muss entweder länger belichtet oder die Sensorempfindlichkeit erhöht werden.

Blendenwerte sind weniger eingängig als ISO Werte oder Verschlusszeiten. Das liegt daran, dass sich ein Blendenwert aus der Brennweite geteilt durch den Blendendurchmesser berechnet. Zunächst mal folgt daraus, dass eine kleine Zahl eine große Blendenöffnung bedeutet.

Blendenzahl = Brennweite / Blendenöffnung

Außerdem gilt folgende Blendenreihe:

1,4 - 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 - 22 - 32

Jeder Schritt bedeutet eine Verdopplung der Lichtmenge, die die Blende passieren kann, also eine Verdopplung der offenen Blendenfläche. Bei vielen Kameras kann man zwischen diesen Blenden noch Zwischenwerte einstellen, üblicherweise in Drittelschritten. Bei der Folge oben spricht man von "ganzen" Blenden.

Die größtmögliche offenen Blende ist ein entscheidender Parameter des Objektives. Je weiter offen die größtmögliche Blende ist (oder: je kleiner der Blendenwert/die Blendenzahl), umso "hochwertiger" ist das Objektiv. Übliche Angaben der Objektivbezeichnung sind Brennweite und Blende, beispielsweise "35mm, 1:1,8" für ein Objektiv mit der (festen) Brennweite 35mm und einer größten Blende von 1,8. Die Bezeichnung für die selbe Blende könnte auch als f1,8 oder f/1,8 geschrieben sein. Diese verschiedenen Schreibweisen sind am Anfang vielleicht verwirrend, jedoch gibt es in der Realität nur ganz bestimmte Blendenwerte, für die man auch schnell ein Gefühl bekommt.

Der Lichtwert

Abschließend noch ein Wort zur Nomenklatur, um weitere Ausführungen dieses Kurses verstehen zu können. Man spricht bei einer Verdopplung der "Lichtmenge" auch von einem ganzen Lichtwert (LW), einem EV (Exposure Value) oder auch einer Blende. Von den reinen Begrifflichkeiten her mag speziell "Blende" in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt sein, jedoch ist das gängige Sprechweise und man sollte diesen Ausdruck zumindest verstehen.

Ganze Blenden in Bezug auf die Blendenzahl sind der oben angegebenen Blendenreihe zu entnehmen.

Ganze Blendenschritte in Bezug auf den ISO Wert sind: 100 - 200 - 400 - 800...

Ganze Blendenschritte in Bezug auf die Verschlusszeit: 1/8000s - 1/4000s - 1/2000s - 1/1000s...

Erhöht man beispielsweise den ISO-Wert um eine Blende und reduziert die Verschlusszeit um eine Blende, so wird ein gleich belichtetes Bild entstehen.

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