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Patrick Daßler - Fashion Fotograf, tätig von Nürnberg bis München

Mein Workflow

17.04.2016

Heute schreib ich über ein etwas technischeres Thema. Je mehr man sich mit der Nachbearbeitung der eigenen Bilder beschäftigt, desto mehr kristallisiert sich eine Art standardisierte Reihenfolge an Schritten heraus. Weil in Englisch einfach alles cooler klingt, nennen wir das den eigenen "Workflow". Ich habe zeitweise jedes Wochenenden ein Fotoshooting und die Tage dazwischen nur neben Arbeit und Zweitstudium Zeit, die geschossenen Bilder zu bearbeiten. Eine gewisse Effizienz ist also auch von Nöten. Glücklicherweise kommt die ziemlich von alleine, wenn der eigene Workflow erstmal gefunden ist.

Der hier dargelegte Ablauf hat sicherlich einige Schwächen. Es handelt sich aber um den Ablauf, der zu meinen Bildergebnissen führt. Daher bietet es sich an, den Eintrag nur dann zu lesen, wenn dir meine Bilder gefallen.

Bibliothek: Erster Teil des Workflow ist die Ablage und Verwaltung der Bilder. Alle Fotos werden von der Speicherkarte auf die Festplatte in einen Ordner kopiert, der mit dem Namen des Models und einer fortlaufenden Nummer benannt ist. Ich fotografiere zeitgleich in den Bildformaten RAW und JPEG, wobei ich die JPEGs nur benötige, um sie dem Model zur Verfügung zu stellen. Meine Bearbeitung stützt sich komplett auf die RAW Dateien.
Meine Bibliotheksoftware ist Adobe Lightroom CC. Der nächste Schritt ist also der Import in Lightroom. Die Dateien bleiben dabei unverändert auf der Platte liegen und werden der Bibliothek lediglich bekannt gemacht.

Anschließend markiere ich alle Fotos, die ich bearbeiten möchte. Ich versuche hierbei aus jedem Setting das jeweils beste Foto zu finden. Als Marierung nutze ich in Lightroom das kleine Fähnchen. Sollte mir eine Auswahl des Models vorliegen nutze ich noch die Farbkodierung.

RAW-Entwicklung: Erster Schritt der Bearbeitung ist die RAW-Entwicklung. Da eine Ausführliche Bearbeitung in Photoshop noch folgt, werden im "Entwickeln" Modul von Lightroom nur Basiseinstellungen vorgenommen. Ich stelle hier die Bildhelligkeit ein, helle Tiefen auf und dunkel Lichter ab. Alles natürlich nur, sofern überhaupt nötig. Sollte der Weißabgleich der Kamera in irgendeiner Form die vorhandene Lichtstimmung zerstört haben, korrigiere ich das auch bereits in der RAW-Entwicklung.

Der letzte Schritt in Lightroom ist das Schärfen. Es handelt sich hierbei um ein RAW-Presharpening, das vor dem Rendern des Bildes durchgeführt wird. Die meisten Fotografen schärfen ihre Bilder nochmal am Ende des Workflow (Ausgabeschärfen), das mache ich nicht.

Bearbeitung: Das vorentwickelte Bild wird aus Lightroom direkt nach Photoshop exportiert. Auch hier nutze ich die Version CC. Der erste Schritt in PS ist die Frequenztrennung. Hierbei handelt es sich um eine Bearbeitungstechnik, die es ermöglicht, die Hautporen von der Hautfarbe zu trennen, und separat zu retuschieren. Auf der Ebene der Poren nutze ich das Stempelwerkzeug um Unreinheiten zu Beseitigen. Leicht fleckige Haut korrigiere ich auf der Ebene der Hautfarbe in aller Regel mit dem Filter "Matter machen" und in Einzelfällen "von Hand" mit dem Pinsel.

Nach der Hautretusche folgt "Dodge and Burn". Hierbei werden dunkle Stellen im Bild mit dem Pinsel weiter abgedunkelt und Glanzlichter weiter aufgehellt. Ziel ist eine "dreidimensionalere" Bildwirkung. In der Regel wende ich diese Technik sowohl auf Gesicht und Körper, als auch auf die Haare an. Für die Photoshop-Nutzer: Ich nutze eine neutralgraue Ebene im Modus "Weiches Licht" und den Abwedler/Nachbelichter.

Nach dem Zusammenrechnen der bisherigen Korrekturen auf eine Ebene nutze ich oft den "Verflüssigen" Filter, um die Körperform dezent anzupassen.

Der letzte Schritt in Phostoshop ist das Erstellen eines Farblooks. Aktuell nutze ich hierzu Gradationskurven in den Farbkanälen und einge Filter aus der Nik-Collection. Meine Farblooks sind in der Regel sehr dezent und vermutlich nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Oft arbeite ich mit Gelb/Blau-Teiltonungen um einen leichten "Vintage" Look zu erzielen.

Finalisierung in Lightroom: Nach dem Speichern in PS öffnet sich das Bild automatisch in Lightroom. Bei nahezu jedem Foto wende ich hier noch eine Vignette an. Das könnte man Selbstverständlich auch in PS tun, mir gefällt die Vignette aus Lightroom aber am besten.

Der letzte Schritt ist der Export. Hierbei setzt Lightroom noch mein Wasserzeichen in die untere linke Bildecke. Ich exportiere meine Bilder zur Weitergabe an die Models in voller Auflösung und schwächster JPEG Komprimierung.

Hier ist mal noch ein Vorher/Nachher Vergleich einer etwas umfangreicheren Bearbeitung:

Was ist der Sinn meiner Arbeit?

27.03.2016

So, der erste Eintrag auf meinem Blog. Bloggen soll ja irgendwie gerade wieder in Mode kommen. Nachdem ich der Welt in aller Regel meine Ansichten nicht aufzwingen möchte, bin ich mir noch unsicher, ob das "Bloggen" ein wertiges Medium für mich ist. Aber man soll ja alles mal versuchen.
In einer Facebook Gruppe für Models und Fotografen, die sich auf eher alternative Models und Bildideen spezialisiert hat, habe ich dieses Foto aus einem Shooting mit Tanja gepostet, weil ich dachte, dass es irgendwie zum Fokus der Gruppe passt.

Das ist sicher nicht das "alternativste" Foto der Welt (und auch nicht mein bestes), aber immerhin kein 08/15 Fashion Shot. Der Kommentar eines Mitglieds der Gruppe war folgender:

"Was ist hier der Sinn des Bildes?"

Ich weiß nicht, ob der Kommentar eine ernst gemeinte Frage oder eine Art unsachliche Kritik darstellt. Die Kommentarkultur im Internet, gerade auch auf Massenplattformen wie Facebook, lässt einen da auch ziemlich abstumpfen. Mein erstes Gefühl war, dass es sich eben nicht um eine interessengetriebene Frage handelt. Das Bild zeigt ein hübsches Mädel in einem Fetisch Outfit in einer sexy Pose. Die Frage nach einer tieferen Bedeutung oder einer Message, die ich als Fotograf transportieren will, ist jetzt nicht unbedingt die naheliegenste. Einen Protest für mehr Latexkleidung unter Geistlichen hatte ich jedenfalls nicht im Sinn.

Wir speichern die Frage also vielleicht in der Kategorie "Trolling" ab und machen weiter. Vorher beschäftigen wir uns aber noch in aller Schnelle mit zwei Fragen, die der Kommentar bei mir aufwirft. Erstens, muss ein Foto eine tiefere Bedeutung haben, um "gut" zu sein? Und zweitens, viel wichtiger, warum fotografiere ich denn überhaupt?

Die erste Frage muss ich unbeantwortet in der Ecke liegen lassen. Damit müssen sich andere befassen. Ich habe in keinster Weise eine künstlerische Vorbildung und bin daher auch kein geeigneter Gesprächspartner für die uralte Diskussion über Sinn und Unsinn von Kunst und den Kunstbegriff an sich. Der einzige Hinweis zur Lösung ist meine eigene Ansicht: Ich persönlich denke nicht über eine Bedeutungsebene nach während ich entscheide, ob mir ein Foto gut gefällt oder nicht. But that's just me!

Die zweite Frage sollte ich beantworten können. Wenn ich nicht wüsste, warum ich einen Großteil meiner Freizeit mit Fotografieren zubringe, bräuchte ich vermutlich ein neues Hobby.
Zur Hälte fotografiere ich für den Moment des Fotografierens. Ich mag die Arbeit mit kreativen, sympatischen Menschen. Mit einem Model zusammen an einem schönen Bild zu arbeiten, jeder in dem Bereich, in dem er gut ist, macht einfach Spaß und sind eine super Art, seine Nachmittage rum zu bringen.
Die zweite Hälfte ist das Ergebnis. Ein "gutes" Foto ist der Lohn für die Arbeit, die an sich schon Spaß gemacht hat, und daher gar keines Lohns bedarf. Ein gutes Foto ist hierbei für mich eines mit einem interessanten Inhalt und einer technisch sauberen Umsetzung. Zur technischen Umsetzung gehört auch die immer aufwendiger werdende Nachbearbeitung. Allgemein ist meine Fotografie vielleicht mehr durch Technik getrieben, als das bei Fotografen der Fall ist, die einen eher künstlerischen Ansatz verfolgen.

Abschließend glaube ich, dass nicht viele Fotos, die ich täglich im Internet vorbeirauschen sehe, irgendeine bedeutungsschwangere Metaebene beinhalten. Viele Menschen scheinen, wie ich auch, vor allem zu fotografieren um zu fotografieren. Als krönenden Abschluss hier noch mein Karfreitagswerk mit den beiden Faktoren "interessanter Inhalt" und (im Rahmen meiner Fähigkeiten) "technisch sauberer Umsetzung". Dafür ausdrücklich ohne "Sinn". Frohe Ostern!